1885-1889: Die Kontrahenten Baptist Schreiber (1886-1889) und Sylvester Pferrer (1885-1886)

Eine längere Korrespondenz hat ein Oboenspieler namens Sylvester Pferrer in den Akten hinterlassen. Er wirkte bei der Streichergruppe mit und bildete den Nachwuchs für die Blasmusik aus. Dabei wurde ihm der Vorwurf gemacht, den Zöglingen das Herumziehen ohne seine Begleitung zu erlauben. Die Jungmusiker hatten mit ihren Instrumenten einen Ausflug nach Biberach gemacht und besuchten bei der Rückkehr nach Zell noch eine Gastwirtschaft, wo es fröhlich zugegangen sein muss. Pferrer wurde vom Gemeinderat deswegen ermahnt. In der Erwiderung wies er darauf hin, dass die „Knaben“ in Begleitung einiger Eltern gewesen seien. Tags darauf hätten sich sogar „sechs Knaben aus dem besseren Bürgerstande“ für die Knabenmusik angemeldet. Der Ausflug habe also eine werbende Wirkung gehabt.

Es war üblich, dass der Ausbilder des Nachwuchses bei der Gesamtkapelle mitspielte und bei Bedarf als Vizedirigent fungierte. Pferrer empfand es jedoch als Zumutung, von Baptist Schreiber dirigiert zu werden, da er sich ihm musikalisch überlegen fühlte. Schließlich stammten die Arrangements aus seiner Feder. Schreiber wäre durchaus bereit gewesen, sein Amt niederzulegen, aber die Musiker winkten ab, weil sie sich von Pferrer in der Rolle des Vizedirigenten „wie Soldaten behandelt“ fühlten.

Im März 1886 wollte Pferrer den Abschied nehmen. Seine Kündigung wurde jedoch vom Bürgermeister nicht angenommen, da er einen großen Verlust für die Streichmusik fürchtete. Als es aber im Juni des selben Jahres zu einem Zwischenfall kam, drohten die Musiker mit Austritt, falls Pferrer nicht entlassen werde. Auslöser war, dass Pferrer den Musiker August Dreher in einer Wirtschaft „ohne jede besondere Veranlassung blutig“ geschlagen hatte. So jedenfalls behaupteten es 15 Musiker in einem Beschwerdebrief. Bürgermeister Fischer und der Gemeinderat hielten an Pferrer fest, verlangten aber, dass seine „Knabenmusik“ in die Gesamtkapelle integriert werde. Die rebellierenden Musiker sollten sich erklären, ob sie weiterhin mitmachen wollten. Andernfalls sollten sie ihr Instrument an die Stadt zurückgeben.