1939-1946: Dirigent im Kriege: Karl Neumayer

1939 ernannte Bürgermeister Adrian Kopf den Wirt des „Schwanen“, Karl Neumayer, zum Dirigenten der Stadtkapelle. Neumayer war ein äußerst vielseitiger Musiker. In der katholischen Pfarrkirche spielte er die Orgel. Zudem leitete er den Gesangverein „Frohsinn“.

Seit den Zwanziger Jahren führte Neumayer eine Abteilung der Stadtmusik an, bei der insbesondere Streicher mitwirkten. Sie wurden gerne für die Tanzmusik engagiert. 1925 war diese Kapelle 33mal im Einsatz, was für die Tanzfreudigkeit der „Goldenen Zwanziger Jahre“ spricht. Die allgemeine wirtschaftliche Misere mit Inflation und Arbeitslosigkeit konnte auf diese Weise verdrängt werden. Die Begeisterung fürs Tanzen hielt bis in die Dreißiger Jahre an.

Je nach Bedarf fand sich das 9 Mann starke Ensemble aber auch zu ernsterer Musik zusammen. So bestritt es 1935 beim „Gesangverein Frohsinn“ die Weihnachtsfeier.

Bürgermeister Adrian Kopf scheint Neumayer zunächst gewogen gewesen zu sein. Denn 1936 schaffte die Stadt ein Klavier an, das nicht nur dem Gesangverein, sondern wohl auch den Streichern zugute kam. Zu Meinungsverschiedenheiten kam es erst, als der Bürgermeister verlangte, die Tanzmusiker müssten die Hälfte ihrer Einnahmen an die Kasse der Stadtkapelle abführen. Daraufhin löste sich das Streicher-Ensemble auf.

Dass Bürgermeister Kopf drei Jahre später dennoch Neumayer zum Dirigenten machte, überrascht daher. Wahrscheinlich gab es zu seiner Begabung keine Alternative.

Am 10.8.1941 löste Bürgermeister Kopf die Stadtkapelle auf. Als Grund gab er:
„Unstimmigkeiten innerhalb des Stadtmusikvereins“ an. Kopf meldete seinen Beschluss nichtsahnend an die „Reichsmusikkammer“ in Berlin und wurde vom Behördenvertreter deswegen gerügt: „Auflösungen während des Krieges werden nicht vorgenommen…Ich nehme an, dass nach dem Kriege Ihre Stadt nicht auf eine eigene Stadtkapelle verzichten will.“

Von Rechts wegen existierte die Stadtkapelle daher weiter. In der Praxis aber dürfte sie ihren Spielbetrieb eingestellt haben, zumal nur die älteren Musiker in der Heimat verblieben und die Jungen zum Kriegsdienst eingezogen worden waren.