1955-1959: Marschmusik-Dirigent Gerhard Pelz

Der neue Dirigent, Gerhard Pelz, kam aus Lahr. Bei seinem ersten Cäcilienkonzert schätzte der Protokollführer, Robert Riehle, dass die Stücke „volkstümlich“, „nicht allzu schwer“ und gleichwohl „präzis einstudiert“ waren.

Pelz kam von der Militärmusik und lehrte die Männer das Musizieren bei gleichzeitigem Marschieren. „Bei ihm haben wir die beste Marschmusik gemacht“ (Günter Lehmann).

Unvergesslich auch der „Rheinische Kappenabend“ (1956) und der „Bayrische Abend“ (1957), beides Veranstaltungen zur Fasnacht, die „in bester Erinnerung“ (Heinz Göhringer) sind. 1957 war der Süddeutsche Rundfunk auf die Zeller Fasend aufmerksam geworden. Der von der Stadtkapelle gespielte Narrenmarsch wurde auf Band aufgezeichnet, um ihn in einer späteren Sendung ausstrahlen zu können.

Eine gute Stimmung herrschte bei den Unterhaltungskonzerten zusammen mit dem Gesangs-Trio „Seitz“ aus Heiligenzell. Die Mischung von Blasmusik und Gesang wurde erstmals 1956 dem Publikum geboten und kam gut an. Der Veranstaltungstyp wurde zum „Bunten Abend“ erweitert, bei dem ein Conferencier durchs Programm führte und mit Quizfragen und Witzen für Kurzweil sorgte. 1958 wurde diese Art der Unterhaltung gleich zweimal ins Programm genommen. Im Frühjahr lud man dazu in den Badischen Hof, im Sommer in den Kurpark ein.

Aber bereits im Jahr darauf scheint das Konzept des „Bunten Abends“ überlebt zu haben. Jedenfalls ging am 30. Juli 1959 ein solcher Abend im Kurpark gründlich in die Hosen, wie der Protokollant eingesteht. Er machte dafür den Humoristen verantwortlich, der „überfordert“ gewesen sei. Der Misserfolg scheint sich nachteilig auf die Akzeptanz des Dirigenten ausgewirkt zu haben. Der nahm wenig später nämlich den Hut, obwohl er seinen Wohnsitz inzwischen von Lahr nach Zell a. H. verlegt hatte.

Zwar bereitete Pelz noch das Cäcilienkonzert vor. Aber bei der damals üblichen Wiederholung des Jahreskonzerts im Gasthaus „Hirsch“ weigerte er sich ans Dirigenten-Pult zu treten. Er hatte wie die anderen Besucher eine Eintrittskarte gelöst und sich unters Publikum gemischt. Vizedirigent Streichsbier kam ins Schwitzen. Er wäre wohl nicht in der Lage gewesen, das Konzert zu leiten. Deshalb trat Willi Isenmann an den Tisch von Pelz und forderte ihn auf, unverzüglich den Taktstock in die Hand zu nehmen. Andernfalls könnten die 28 Musiker handgreiflich werden. Diese Drohung machte Eindruck. Pelz trat noch einmal ans Pult. Es sollte das letzte Mal sein.

Dem Konzert war eine Musikprobe vorausgegangen, zu welcher der Dirigent mit schlechter Laune antrat. Auf Grund der mangelnden Geduld mit den Musikern ging die Probe gründlich schief. Pelz brach die Übung ab und lief wutentbrannt davon. Hintergrund der Unzufriedenheit dürften zusätzliche finanzielle Forderungen des Dirigenten gewesen sein, welche die Stadt nicht befriedigen wollte.

Nach dem öffentlichen Eklat beim Konzert schloss der Verwaltungsrat Pelz aus der Stadtkapelle aus. Dieser Entscheidung schlossen sich Bürgermeister und Stadtrat an und lösten den Vertrag mit dem Dirigenten auf.