1960-1987: Musikdirektor und Big-Band-Leader Ludwig Junkert

Junkert hatte von 1932 bis 1937 Musik in einem Konservatorium seiner rumänischen Heimat studiert. Als er sich 1960 für die Leitung der Stadtkapelle bewarb, war er Mitglied der Burda-Kapelle in Offenburg. Später wurde er deren Dirigent.

Den ersten öffentlichen Auftritt mit der Zeller Stadtkapelle hatte Junkert beim Osterkonzert 1960. Zu seinen Vorlieben gehörten Ouvertüren und – gemäß seiner Vertrautheit mit slawischer Musik – ungarische Rhapsodien und Tänze. Beim Cäcilienkonzert im Spätjahr stellte er zunächst seine „Zöglinge“ vor, bevor er mit der gesamten Kapelle auftrat. Das Konzert fand eine gute Resonanz und musste traditionsgemäß zweimal gegeben werden.

Bereits zwei Jahre später wurde er von Bürgermeister Brucher beim Cäcilienkonzert zum Städtischen Musikdirektor ernannt.

Junkert nahm sich auch der Tanzkapelle an, in der er Trompete oder Flügelhorn spielte. 1965 weitete er die „Tanzabteilung“ zu einer Big-Band aus. Im Sommer des selben Jahres übernahm sie den Tanzabend beim Flugtag in Offenburg. Die Tanzveranstaltung in der Turnhalle des heimischen Zell musste wiederholt werden. Das Geheimnis des Erfolges war die Darbietung deutscher Schlager im „sound and drive“ des Jazz. Junkert schrieb die dazu erforderlichen Stimmen und Arrangements selbst. Den Rhythmus der Jazz-Gitarren übernahmen in der Blasmusik S-Horn und Tuba.

Die Gesamtkapelle wurde durch die zahlreichen Aktivitäten der Big-Band nicht vernachlässigt. 1961 nahm der Südwestfunk in der Turnhalle ein Konzert auf, in dem auch der von Junkert komponierte Titel „Banatia“ zur Aufführung kam. 1965 konnte erstmals ein Kurkonzert unter dem Dach eines Musikpavillons gegeben werden. Mit dieser Anlage im Kurpark entsprach die Stadt einem lang gehegten Wunsch der Stadtkapelle. Das Echo in der Presse war allerdings niederschmetternd. Ein Journalist verstieg sich zu der Bezeichnung „Karnickelstall“.

Junkert mutete sich ein riesiges Arbeitspensum zu. 1965 zählt das Protokollbuch nicht weniger als 124 Termine, wenn man alle Proben und Auftritte der Stadtkapelle und der Big-Band sowie die Sitzungen im Verwaltungsrat zusammennimmt. Zu den Verpflichtungen der Gesamtkapelle gehörten damals noch die wiederholte Abholung und Unterhaltung von Sommerfrischlern, die mit Sonderzügen in Zell a. H. anrollten.

Vor allem die Big-Band wurde immer häufiger angefragt. Beim Offenburger Weinfest 1965 musste sie an zwei aufeinander folgenden Wochenenden zu Tanz und Unterhaltung aufspielen. Der Zeller Fußballverein veranstaltete 1966 vor Fasnacht in der Turnhalle eine Tanzveranstaltung, wozu Protokollant Ernst Bea vermerkt: „12.2.66 ‚Schwarz-Gelb-Ball’ in der Turnhalle. Auch der Fußballverein wusste den Vorteil zu nützen, mit der Big-Band ein volles Haus zu haben und alles tanzte bis in den früher Morgen.“ Noch im selben Jahr erhielten die rund 20 Band-Mitglieder, welche die halbe Stadtkapelle ausmachten, eigene Anzüge.

Im nahen Offenburg wurde die Big-Band zur Zugnummer. Sie wurde eingeladen, bei den Betriebsfesten von Burda und Edeka für gute Stimmung zu sorgen. Später folgten die Firmen Prototyp in Zell a. H., Holzer in Unterharmersbach, in Nordrach die Firma Junker und die Klinik Zajac diesem Beispiel. Im Zenit der musikalischen Wertschätzung war die Band mit der Verpflichtung zum Internationalen Tanz-Turnier in Offenburg am 27. April 1968 angekommen. Auch die Veranstalter des großen Offenburger Hexenballs in den Oberrhein-Hallen wollten in den Jahren 1971 und 1972 nicht auf die „Ludwig-Junkert-Big-Band“ verzichten. Bis nach Kehl drang ihr Ruf, wo sie die Silvester-Unterhaltung des Karnevalvereins übernahm.

1974 entstand eine eigene Jugendkapelle unter Leitung von Ludwig Stenzel, die für die Stadtkapelle den Nachwuchs pflegte.

1981, beim 200-jährigen Jubiläum der Stadtkapelle, erhielt Ludwig Junkert für seine 50jährigen Verdienste vom Bund Deutscher Blasmusik-Verbände die Große Goldene Ehrennadel. In den folgenden Jahren wurden Konzertaufzeichnungen auf Musikkassetten sehr beliebt. Ihr Verkauf florierte bis 1985.